Liebeserklärung

29. Oktober 2009 - Eine Antwort

Ich liebe sie; am Morgen, mittags, abends, während der Nacht, zu Zeiten, die man vorher gar nicht kannte, immer. Sie faszinieren und berühren mich, wenn ich mein vorlaut klingelndes Telefon gern im WC versenken würde, ich mit Blut und Urin bespritzt bin, gerade meinen Finger aus einem engen, ranzigen Anus gezogen habe und unmittelbar im Anschluss einem distinguiertem Herrn mit seit Wochen bestehenden Knieschmerzen gegenüber sitze, der sich höflich und in gewähltem Schriftdeutsch, aber nachts gegen 0245 Uhr, nach der Möglichkeit einer kernspitomographischen Schichtbilddarstellung seiner Leidenszone erkundigt. Ich liebe sie, weil sie zu grossem fähig, bettelnd an Ihrem Leben hängend, schliesslich doch in Würde ihren letzten Weg finden. Ich liebe die kleinen schmutzigen Geschichten von persönlichen Niederlagen, triumphalen Erfolgen und alltäglichen Lügen, die sie mir als Mitbringsel lassen. Ich liebe die Patienten, weil sie menschlich sind und mir nichts menschliches fremd ist. – Am Morgen, mittags, abends, während der Nacht und auch zu Zeiten, in denen sie zu Feinden werden.

Fischindustrie

28. Oktober 2009 - 4 Antworten

Auf Jagdfieber folgte Ernüchterung. Nach Vokalanästhesie und Avialle waren die Erwartungen gross, weitere Prisen dieser Güte aufzubringen. Einen Blick über den Tellerrand wagend, wurden fremde Gewässer angelaufen; man versprach sich bei den zahlreichen Rettungsleuten das eine oder andere Spannende zu finden. Und dann wieder und wieder nur klobige Fischtrawler mit glitschigen Decks und miefigen Laderäumen. Am Ruder vollmundige Helden, die uns voll geiferndem Eifer erklärten, wie das Leben wirklich ist; der eine oder andere mit offener Hose, damit schon aus der Ferne sichtbar, wer den Längsten hat. Auf der Brücke nirgends Kapitäne, nur Bootsleute, die sicher waren, jeden Ozean ohne Kompass befahren zu können. Alle Vorurteile bestätigend, die man in diesen Kreisen über unsereinen pflegt, liess man sie und ihren Fisch gern ziehen.

Sysiphos

27. Oktober 2009 - Leave a Response

Interessante Dokumentation über den Alltag in deutschen Spitälern. Man trifft ihn überall den Sohn von Enarete und Aeolos: Link (Youtube-Video)

Avialle

27. Oktober 2009 - 2 Antworten

Sie war war mit anderem beschäftig. Mit ihrem Traum Chirurgin zu werden vielleicht oder mit dem „Hammerexamen“. Jedenfalls hat sie nicht gemerkt wie ihre verträumt in Blau dahinsegelnde Brigantine aufgebracht wurde. Im Laderaum, der auf Grund seiner grossen Klappe nicht zu übersehen war, fanden sich neben reichlich Aufschneiderware etliche Schatzkästchen. Man meinte sich in einem Herbstwald, in dem der Wind nicht durch Blätter, sondern durch Gedanken weht, die wispernd hier und da zu Boden fallen und beim Hindurchlaufen dieses einzigartige herbstliche Geraschel machen. Es ist schön, zu sehen, dass Menschen träumen können – bei Träumen von der Chirurgie für einen begeisterten Schiffsarzt und Kesselflicker sowieso. Beindruckend auch die üppige Flagge mit den überirdisch grünen Augen. Man möchte ihr wünschen, dass sie wirklich wie diese Chimäre aus Engel und Kobold in die Welt schaut. Träume eben.

Seemannsbraut

27. Oktober 2009 - 2 Antworten

Besonders wenn es heiss ist, lassen sie einen nicht los, die Gedanken an ihre glatte Haut, ihre Feuchte, ihre Süsse; man träumt davon, mit der Zunge ihre prickelnde Zartheit zu teilen und an ihnen zu saugen. Sie schlagen alles, für das sich sonst zu Leben lohnt. Ob ein Primitivo, Morgensonne, Sommerregen, Ankern vor Gümüslük, Kaffee mit Lisbeth Salander, Dinner mit Nicole Kidman oder eine Nacht mit Penelope Cruz, nichts kann das Aroma einer reifen saftigen Limette aufwiegen; Sex nicht, erst recht keine Orgasmen. Ihr besonderer intensiver Duft ist der Beweis, dass der Himmel irgendwo zwischen den Choanae und dem Bulbus olfactorius liegt. Am besten schmeckt eine Halbe von ihnen gepresst in Mineralwasser mit Eis.

Vokalanästhesie

26. Oktober 2009 - 3 Antworten

Endlich. Der Nebel hatte sich gelichtet und am Horizont war ein harmlos scheinender Kutter auszumachen. Nach dem einen oder anderen nautischen Kniff, sich gut in Luv positioniert, Schuss vor den Bug, Prisenkommando Richtung des kleinen widerspenstigen, aber nun beigedrehten, Flitzers ausgesetzt, wartete unter Deck eine Überraschung: Im medizinischen Einerlei und lauwarmen Blabla der Blogosphäre tatsächlich fotlaufende Zeilen, die zu lesen, multiple supranasale Sensationen auszulösen in der Lage sind. Nur durchschnittlich ausgestattet, wünscht man sich ein Organ, dass zu ähnlichen Raubzügen im Land von Phantasie, feinem Spott und fortgeschrittener Alltagsbetrachtung in der Lage ist. Neugierig vom rutschigen Deck bis in die Bilge den Skipper gesucht. Leider nur hier und da ein nicht verräumter persönlicher Gegenstand, der wenig über ihn verriet. Man wird den Verdacht nicht los, solch ein feines Florett könne nur von einer Frau geführt werden und bekommt dies beim Stöbern in ihrem Schapp bestätigt; wer sonst trägt bitte auf See Unterwäsche? Man möchte sie gern kennenlernen.

Leinen los

25. Oktober 2009 - Leave a Response

Fühlt sich alles neblig an nach den Nachtdienst; der wievielte dies war in diesem Monat, ich hab es vergessen, wieviele noch folgen werden, habe aufgehört sie zu zählen. Keine besonderen Vorkommnisse, ein paar wehe Zehen, verdrehte OSG, die ersten Blasenentzündungen bei den jungen Frauen (da wird man wenigstens wach) und der eine oder andere, der vergessen hatte, wo er zu Hause ist. Dazwischen Briefe tippen, Internetgesurfe und ein paar Stunden (juhu!) Schlaf auf einer Untersuchungsliege.
Auch wenn es in die Knochen geht, Nachtdienste sind etwas besonderes, die Stimmung, das weiche Hirn am nächsten morgen, das pötzlich komische Ideen hat – beispielsweise in Zukunft Raubzüge in der Welt der medizinischen Blogs zu unternehmen.
Mal sehen, ob sich morgen … heute? …. keine Ahnung … die eine oder andere vielversprechende Prise finden und aufbringen lässt …